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Was passiert, wenn Lebensmittel krank machen ?
Krämpfe nach Milch, Kopfschmerzen nach Schokolade? Dahinter kann eine Nahrungsmittel-Intoleranz stecken - darunter leiden inzwischen mehr Menschen als unter Allergien. Lebensmittel-Intoleranz als Volkskrankheit?
Verdauungsstörungen, Kopfweh, Atemprobleme, Quaddeln auf der Haut - das sind nur einige der Symptome, unter denen Menschen mit Nahrungsmittel-Intoleranz zu leiden haben, wenn sie das Falsche essen. Die Symptome sind ähnlich wie bei einer Allergie, im Körper fehlen schlichtweg die nötigen Enzyme, um bestimmte Nahrungsbestandteile zu verdauen, oder er produziert sie nicht in ausreichender Menge. Die Symptome treten daher oft nur nach dem Verzehr größerer Portionen auf. und das bis auf wenige Ausnahmen mit zeitlicher Verzögerung. Aus diesen Gründen erfordert es bisweilen detektivisches Gespür, den Schuldigen zu entlarven. Ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt und diverse Tests liefern die Basis für die Diagnose. Je nachdem, wie stark der Enzymmangel ausgeprägt ist, muss man dann mehr oder weniger strikt auf die Auslöser verzichten. Mit Glück kann man das Lebensmittel weiterhin in kleinen Mengen zu sich nehmen, ohne Beeinträchtigungen zu riskieren. "Jeder sollte mit Hilfe seines Arztes seine persönliche Obergrenze herausfinden", rät die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Susanne Finzel, Uni Hamburg. Dabei hilft ein Tagebuch, in dem man Ess- und Trinkgewohnheiten und alle verdächtigen Beschwerden vermerkt.
Fruktose-Intoleranz
Früher war eine Fruktose-Intoleranz extrem selten - sie traf eigentlich nur Menschen mit einer angeborenen Stoffwechselstörung oder einer Dünndarmerkrankung. Heute leidet jeder Dritte zumindest gelegentlich unter Blähungen, Durchfall und Bauchweh durch Fruchtzucker. Der Grund ist die viel zu große Menge, die wir von diesem Zucker zu uns nehmen. Fruchtzucker steckt nicht nur in vielen Obst- und Gemüsesorten, in Honig, Haushaltszucker, Säften oder Süßigkeiten, sondern ist in immer mehr Fertigprodukten enthalten. Mit jedem Gramm wächst das Risiko für Verdauungsstörungen. Vorsicht auch bei Sorbit, Mannitol, Isomalt und Xylit in Bonbons, Kaugummis und Diätprodukten. Diese Süßmittel stören die Fruktoseverdauung zusätzlich. Wer nur sensibel auf große Mengen Fruktose reagiert, sollte eine Weile auf Lebensmittel mit Fruktosesüße und auf Riesenportionen Obst und süßes Gemüse verzichten. Liegt die seltene "echte" Intoleranz vor, muss man den Zucker allerdings strikt meiden. "Um den Vitaminbedarf zu sicher, sollte man auf Getreide und fruktosefreie Gemüsesorten setzten", rät Dr. Finzel.
Laktose-Intoleranz
Bis zu 15 Prozent der Deutschen leiden unter einer Laktose-Intoleranz. Schuld ist ein Mangel an Laktase - dieses Enzym benötigen wir, um Milchzucker (Laktose) zu verdauen. "Die Laktose wird dann im Darm von Bakterien vergoren, was zu Bauchschmerzen, Durchfall oder Blähungen führt", erklärt Finzel. Laktose kommt in Kuhmilch, in Süßigkeiten, ja sogar in Wurst, Fischkonserven und Medikamenten vor. Eine EU-Regelung schreibt inzwischen die Auflistung von Laktose für verpackte Lebensmittel auf dem Etikett vor. "Die Therapie hängt vom Schweregrad ab", so Dr. Finzel. "Nur selten kommt es bereits bei geringen Laktosemengen zu Problemen. Joghurt, Sauermilch und Käse werden oft vertragen." Laktosefreie Milch und Milchprodukte, kalziumreiche Heil- und Mineralwässer und Kalziumpräparate sicher den Kalziumbedarf. Tipp: Wenn man doch einmal laktosehaltige Lebensmittel essen möchte, kann man den Enzymmangel durch rezeptfreie Laktasepräparate ausgleichen.
Gluten-Intoleranz
Immer mehr Menschen vertragen kein Gluten, einen in Getreide vorkommenden Eiweißstoff. Die extremste Form der Gluten-Intoleranz ist die Zöliakie (im Kindesalter) beziehungsweise Sprue (im Erwachsenenalter). Ein Prozent der Menschen leidet darunter. "Dabei kommt es zu Schädigungen der Dünndarmschleimhaut, sodass Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate oder Fette nur noch bedingt oder gar nicht aufgenommen werden", erklärt Finzel. Die Beschwerden reichen von schweren Durchfällen, Gewichtsverlust, Blutarmut, Haarausfall, Ödemen bis hin zu Darmtumoren. Besonders "gefährlich" sind Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel (Grünkern), Hafer und Kamut. Doch Gluten kommt auch in Fertigprodukten vor, die Mehl als Bindemittel enthalten, etwa in Soßen. Bei leichter Intoleranz sollte man ausloten, auf welche Glutenmengen man reagiert. Bei Zöliakie und Sprue dagegen muss man rigoros auf die Auslöser verzichten, auch in beschwerdefreien Phasen. Im Reformhaus oder Naturkostladen gibts glutenfreie Spezialprodukte. Sie sind meist mit einer durchgestrichenen Ähre gekennzeichnet. Unkritisch sind auch Reis, Buchweizen, Mais, Hirse, Soja, Amaranth und Quinoa.
Histamin-Intoleranz
Histamin ist ein natürlich im Körper vorkommender Eiweißbaustein. An vielen Abwehrreaktionen des Immunsystems ist er beteiligt. Auch in Lebensmitteln kommt er vor - meist ohne die geringsten Probleme zu machen. Bei einem Prozent der Bevölkerung verursacht er allerdings teils erhebliche Unverträglichkeitsreaktionen, zum Beispiel Kopfschmerz, Übelkeit, Juckreiz, Quaddelbildung, Verdauungs- und Atembeschwerden, Herzrasen oder Blutdruckabfall. Anders als bei anderen Unverträglichkeiten tritt die Reaktion schon kurz Zeit nach der Mahlzeit auf. Sogar lebensbedrohliche Zustände kommen vor. Ursache ist ein im Laufe des Lebens erworbener Mangel an Enzym DAO (Daminoxidase). Oft ist eine Intoleranz gegenüber anderen Stoffen ein Wegbereiter.- "Wenn beispielsweise jemand mit Laktose-Intoleranz zu viel Laktose zu sich nimmt, setzt das massiv Histamin frei", erläutert Finzel. "Auf Dauer begünstigt das die Entstehung einer Histamin-Intoleranz." Histamin kommt überwiegend in lang gereiften Lebensmitteln vor, aber nicht ausschließlich. Es steckt zum Beispiel in Hartkäse - hier vor allem im Rindenbereich -, in Salami, Schinken, geräuchertem Fisch, Wei (besonders Rotwein(, Sekt, Hefeweißbier, Schokolade, Spinat, Sauerkraut und Tomaten, Alkohol und bestimmte Medikamente wie Aspirin können die Aktivität des Enzyms DAO drosseln und so ebenfalls Beschwerden auslösen. Der Verzicht auf histaminhaltgie Nahrung fällt nicht immer leicht. DAO-Enzympräparate ("Daosin", Apotheke) mildern die Symptome.